Der 2. Swiss Hospital at Home Kongress der Swiss Hospital at Home Society fand am 12. März 2026 in Biel statt – und Hospital at Home Deutschland e.V. war dabei. Als Repräsentant und Vorstand unseres im letzten Jahr gegründeten Vereins durfte Dominic Hillerkuss eine Community erleben, die Energie versprüht. Diese war von allen Seiten zu spüren: von den Referentinnen und Referenten, den Teilnehmenden und den Gastgebern gleichermaßen.
Unser herzlicher Dank gilt dem Organisationsteam für das Hosting: Severin Pöchtrager, Elisa Heising und Sang-Il Kim haben einen Kongress ermöglicht, der sowohl inhaltlich als auch in seiner Atmosphäre begeistert hat.
Nach dem ersten Kongress 2024 stand dieses Jahr die Frage im Mittelpunkt, wie aus der Vision einer spitaläquivalenten Behandlung zu Hause gelebte Versorgungspraxis wird. Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland teilten ihre Erfahrungen und diskutierten konkrete Umsetzungsschritte – politische, organisatorische und klinische Rahmenbedingungen eingeschlossen.
Im Kopf geblieben ist vor allem die beeindruckende Keynote von Stephanie Ko: Sie schilderte, wie mit Höhen und Tiefen systematisch und nahbar ein Hospital at Home Modellprojekt in Singapur erwachsen ist. Als Vertreter von Hospital at Home Deutschland e.V. habe ich mich pflichtbewusst in einen Schwamm verwandelt und alles aufgesogen, was möglich war.
Neben den Berichten aus frischen Pilotprojekten gab es auch Neuigkeiten aus dem Innern der Swiss Hospital at Home Society selbst. Die Society hat sich personell neu aufgestellt und ist nun strategisch stärker auf Verstetigung ausgerichtet – denn die Politik sitzt jetzt kontinuierlich mit am Tisch. Das ist ein bedeutender Schritt zur Verflechtung des Modells in die bestehende Versorgung.
Damit verbunden wurde auch eine geschärfte Definition von „Hospital at Home in der Schweiz” verkündet – für bessere Abrechenbarkeit und einen klareren Diskurs mit den Leistungsträgern. Offen bleibt die Frage der föderalen versus nationalen gesetzlichen Verankerung.
Ein Satz aus dem Politikpanel von Pierre-Alain Schnegg ist besonders verfangen: Es brauche eine gemeinsame Erfolgsrechnung für alle Beteiligten. Das trifft den Kern: Ohne intersektorale Betrachtung von Kostenmodellen lässt sich der Interessenkonflikt zwischen Leistungserbringern und Leistungsträgern nicht auflösen – und der ökonomische Benefit für alle Akteure bleibt auf der Strecke.
Metriken und Messbarkeit standen ebenfalls im Fokus. Ein passendes Beispiel verdeutlichte das Dilemma: Ein positiver Effekt von Hospital at Home – weniger Reha-Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt – wird im normalen klinischen Alltag oft gar nicht erfasst. Manche Verbesserungen sind schlicht schwer mit dem Status quo vergleichbar. Dieser Diskurs braucht weiterhin Aufmerksamkeit und Fortschritt.
Das Thema Eignungskriterien für Patientengruppen und deren praktische Umsetzung bleibt zentral. Die Skalierung ist kein Selbstläufer: Pragmatisches und kontinuierlich moderiertes Aufsetzen sichert Stabilität und hilft, mit dynamischen Schwankungen umzugehen.
Beim Thema Ressourcen eröffnen sich interessante Perspektiven: Von Betonressourcen (Klinik(neu)bauten) über die Mitarbeitenden – mit Blick auf Arbeitsplatzattraktivität und Ausbildung – bis hin zur Ressource der Angehörigen entstehen neue Möglichkeiten der Befreiung bisher gebundener Kapazitäten.
Veränderungsprozesse in Teams, bei Patientinnen und Patienten sowie im Personalmanagement bleiben eine zentrale Herausforderung für junge Projekte. Den Effekt spürbar zu machen und praktische Handhabe zu finden – das ist keine Kleinigkeit. Das Spannungsfeld der Adoption neuer Routinen und Veränderungsprozesse kennen wir aus eigener Erfahrung sehr gut.
Dieser Kongress hat einmal mehr deutlich gemacht: Es tut sich etwas in Europa – und zunehmend auch in Deutschland. Modellfinanzierung, internationale Vernetzung und konkrete Projektinitiativen machen Fortschritte. Auch innerhalb unseres Vereins können wir erste besetzte Arbeitsgruppen vermelden, die ihre Arbeit aufgenommen haben.
Die enge Verbindung zur Swiss Hospital at Home Society bleibt für uns eine wertvolle Quelle der Inspiration und des Lernens. Der Blick auf funktionierende Implementierungen in der Schweiz, in Singapur und anderswo zeigt: Das Modell ist keine Utopie – es ist machbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und alle Akteure an einem Strang ziehen.
Wir freuen uns auf den weiteren Austausch, die nächsten Schritte in Deutschland und – schon jetzt – auf ein Wiedersehen beim Kongress 2028.
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