Hospital@Home beim Patient Monitoring Roundtable Nr. 3 | 2026

Am 20. April 2026, am Vorabend der DMEA, Europas führender Messe für Digital Health – stand Hospital@Home im Mittelpunkt des dritten Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres in Berlin. Unter dem Leitthema „Wearables als Grundlage sicherer außerklinischer Versorgung” kamen Kliniker:innen, Forschende und Industrievertreter:innen im Berliner Simulations- und Trainingszentrum (BeST) an der Charité zusammen – organisiert von INCH e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité.

Hospital at Home Deutschland e.V. war aktiv dabei: Dominic Hillerkuss vertrat den Verein und leitete einen eigenen Workshop zur idealen Patient Journey im H@H-Modell gemeinsam mit Co-Moderatorin Georgina Krüger und gestaltete damit den Abend mit.

Was bedeutet eine ideale Hospital@Home Patient Journey?

Im Workshop von Dominic Hillerkuss wurde konkret erarbeitet, wie Versorgungspfade jenseits der Krankenhausmauern neu gedacht werden können. Im Zentrum standen zwei Grundprinzipien: eine integrierte, indikationsbasierte Versorgung sowie die Unterstützung durch Remote Patient Monitoring.

Doch Hospital@Home ist weit mehr als ein klinisches Modell. Der Erfolg hängt entscheidend vom sogenannten äußeren Setting ab – der Zusammenarbeit mit Sozialorganisationen, Pflegediensten und sozialen Netzwerken im Wohnumfeld, ergänzt durch Hausbesuche und den gezielten Einsatz von KI. Gleichzeitig bringt das Modell auch im inneren Setting handfeste Vorteile: höhere Kosteneffizienz, verbesserte Behandlungsoptionen, weniger Patiententransporte und neue, sich wandelnde Rollen für klinisches Fachpersonal.

Die zentrale Botschaft des Workshops: Hospital@Home ist kein isoliertes Behandlungsmodell, sondern ein koordiniertes Ökosystem, das medizinische Versorgung mit sozialer Infrastruktur verbindet.

Deep-Dive: Kann Hospital@Home in Deutschland wirklich funktionieren – und ist jetzt die Zeit?

Der Workshop startete mit einer bewusst offenen Frage, die als roter Faden durch den ganzen Abend wirkte: Kann Hospital@Home in Deutschland was werden – und wenn ja, ist jetzt die richtige Zeit dafür?

Die Teilnehmenden wurden eingeladen, sich eine ideale Patient Journey vorzustellen – exemplarisch zu einem Patienten, der für H@H geeignet ist. Diese Journeys dienten als „Nordstern” für die weitere Diskussion: Nicht als utopisches Wunschbild, sondern als gemeinsamer Orientierungsrahmen – von dem aus dann die Frage gestellt wurde, was den Weg dorthin gerade ermöglicht oder versperrt.

Im zweiten Schritt rückte das äußere Setting in den Fokus: Wer sind die relevanten Akteure in Deutschland jenseits von Kliniken und Ärztinnen? Welche könnten neue Türöffner sein – und welche bremsen das Modell aus? Die Gruppe sammelte Facilitatoren und Barrieren und ordnete sie zeitlich ein. Nachbarschaftsnetzwerke, Sozialorganisationen und Pflegedienste tauchten dabei ebenso auf wie Fragen rund um Haftung, Vergütungsstrukturen und die Rolle von Leitstellen.

Im dritten Block ging es ans innere Setting – also die Perspektive eines konkreten Projekts oder einer Einrichtung, die H@H umsetzen will. Welche lokalen Hürden tauchen in der Praxis auf? Wo entstehen Vorteile für Patientinnen und Patienten, für klinisches Personal, für die Einrichtung selbst? Dabei wurde deutlich, dass neue Rollenbilder für Pflegefachkräfte und Ärztinnen im Heimsetting eines der spannendsten – aber auch komplexesten – Felder sind.

Den Abschluss bildete eine gemeinsame Diskussion mit einer Frage, die erst am Ende aufgedeckt wurde: Warum jetzt? Was hat sich in den letzten Jahren konkret verändert, das Hospital@Home in Deutschland realistisch macht? Die Antworten aus der Gruppe waren vielschichtig – von technologischen Entwicklungen im Remote Monitoring über veränderte Patientenerwartungen bis hin zu einem wachsenden Druck auf die stationäre Versorgung.

Was der Abend sonst noch zeigte: Perspektiven aus Notaufnahme und Forschung

Den Auftakt des Abends machten zwei starke Keynotes, die H@H aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten.

  • Prof. Dr. Rajan Somasundaram, Ärztlicher Leiter der Notaufnahme an der Charité Campus Benjamin Franklin, öffnete den Blick auf die demografische Realität: Rund 5,7 Millionen Menschen waren 2023 in Deutschland pflegebedürftig, davon etwa 86 Prozent in ambulanter Versorgung. Hinzu kommen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die Konsequenz: Notaufnahmen werden zunehmend zum Auffangbecken für Situationen, die eigentlich zu Hause hätten stabilisiert werden können – mit teils ernsthaften Folgen wie Delir, Stürzen oder nosokomialen Infektionen für ältere, vulnerable Patientinnen und Patienten. Somasundaram betonte das Potenzial von Prävention und häuslicher Versorgung – insbesondere des Ansatzes Stay@Home–Treat@Home, bei dem ein telemedizinisch vernetztes System aus Hausarztpraxen, Kassenärztlicher Vereinigung, Hilfsorganisationen und der Charité-Notaufnahme zusammenwirkt. Erste Erfahrungen aus dem Projekt zeigten aber auch: Die Einbindung über Hausärzte ist schwierig, der Koordinationsaufwand hoch, und digitale Patiententools müssen deutlich einfacher und besser in bestehende Strukturen integriert werden.

 

  • Dr. Anne Sophie Platzbecker, Forscherin am Hasso Plattner Institut (HPI) und Leiterin Medical Innovation & Transformation an der Medizinischen Hochschule Brandenburg, lieferte den internationalen Vergleich: Während die USA und Israel Hospital@Home bereits als Regelversorgung kennen, befindet sich Deutschland noch in der Pilotphase – ohne einheitliches Vergütungsmodell. Dabei ist die Evidenz durchaus überzeugend: Komplikationen und Mortalität sind im Vergleich zur stationären Versorgung ähnlich oder geringer, Kosten fallen durch eingesparte Infrastruktur und Nachsorge oft niedriger aus, und die Patientenzufriedenheit ist höher. Entscheidend für den Erfolg bleiben klare Patientenauswahl, 24/7-Eskalationsstrukturen, digitale Interoperabilität und standardisierte Finanzierungsmodelle.

Ein Abend voller Impulse und guter Gespräche

Neben den beiden Workshops – dem von HAH Deutschland e.V. zur Patient Journey und dem von Sarah Berger und Jasper Wagnitz zum G-BA-Projekt T-CABS (Telemedizinisches Zentrum für außerklinische Beatmung) – zeigte sich einmal mehr, was den PMRT ausmacht: echte, manchmal kontroverse Positionen, die über den Abend hinaus nachwirken. Gastgeber war einmal mehr das Berliner Simulations- und Trainingszentrum (BeST) an der Charité.

Unterstützt wird der PMRT von seinen Sponsoren Masimo, Dräger und Philips sowie vom Einstein Center Digital Future, HealthCapital Berlin Brandenburg und Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie.

Hospital@Home als Zukunftsmodell – im Dialog voranschreiten

Das Fazit des Abends lässt sich klar benennen: Hospital@Home hat das Potenzial, die Versorgung effizienter und patientenzentrierter zu gestalten – vorausgesetzt, Finanzierung, Struktur und Digitalisierung werden konsequent aufeinander abgestimmt. Deutschland hat die Chance, von internationalen Vorreitern zu lernen. Und Veranstaltungen wie der PMRT sind genau der Raum, in dem dieses Lernen beginnt.

Die Teilnahme unterstreicht, was Hospital at Home Deutschland e.V. von Anfang an antreibt: den aktiven Austausch mit allen relevanten Akteurinnen und Akteuren zu suchen, Best Practices sichtbar zu machen und gemeinsam an den Rahmenbedingungen für H@H in Deutschland zu arbeiten.

Wer beim nächsten Patient Monitoring Roundtable dabei sein möchte: Der PMRT No. 4 findet am 21. Mai 2026 im Baltic der Charité statt. Fokusthema ist Robotik in der Pflege. Die Anmeldung ist über die Website von INCH e.V. (inch.de) möglich.

Bleibt neugierig – und bleibt dabei.

Roundtable Nr. 3 2026: https://inch.de/patient-monitoring-roundtable-no-3-2026-hospitalhome-an-opportunity-for-improved-care/

Vielen Dank an INCH e.V. (Initiative for Innovation and Collaboration in Healthcare) für die Einladung zur Mitgestaltung des Meetups.

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