Hospital at Home auf dem DRG | FORUM 2026:
Versorgung neu denken – vom Patienten aus

Das DRG|FORUM in Berlin ist bekannt als das „Familientreffen der Klinikszene” – jährlich bringt es mehr als 2.000 Entscheiderinnen und Entscheider aus Krankenhausmanagement, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. In diesem Jahr war Hospital at Home Deutschland e.V. erstmals als Thema vertreten – nicht auf der großen Bühne, aber dort, wo oft die wichtigsten Gespräche entstehen: am Stand unseres Fördermitglieds NursIT Institute GmbH (Stand Nr. 62).

Erstmals präsent auf dem DRG|FORUM

Auf die Bühne hat es die im Februar 2024 gegründete Fachgesellschaft Hospital at Home Deutschland e.V. in diesem Jahr noch nicht geschafft. Und doch war das Thema präsent – denn als Fördermitglied hat NursIT Institute GmbH das so wichtige Thema Hospital at Home als ergänzendes, stationsäquivalentes Versorgungsmodell der Zukunft in den Mittelpunkt ihres Messeauftritts gestellt.
Für uns ist das ein wichtiges Signal: Hospital at Home ist im Diskurs der deutschen Krankenhauslandschaft angekommen. Jetzt geht es darum, aus Diskurs Wirklichkeit zu machen.

Warum behandelt Deutschland noch immer so viele Patienten im Krankenhausbett?

Diese Frage beschäftigt uns seit der Gründung des Vereins. Während Länder wie Großbritannien, die Schweiz oder die skandinavischen Staaten Hospital-at-Home-Programme systematisch ausbauen, diskutiert Deutschland noch immer über die Grundlagen.

Dabei zeigen internationale Erfahrungen seit Jahren eindeutig:

  • gleiche oder bessere Behandlungsergebnisse
  • weniger Komplikationen (z. B. durch Krankenhausinfektionen)
  • höhere Patientenzufriedenheit
  • effizientere Nutzung knapper Fachkräfte

 

Und trotzdem existiert in Deutschland bis heute kein strukturiertes somatisches Hospital-at-Home-Versorgungsmodell.

Das eigentliche Problem ist nicht die Medizin. Das Problem sind unsere Strukturen.

Ein Gesundheitssystem, das strikt zwischen ambulant und stationär trennt und dessen Vergütung noch immer stark bettenorientiert funktioniert, tut sich naturgemäß schwer mit Versorgung, die zwischen den Sektoren stattfindet. Gleichzeitig stehen wir vor genau den Herausforderungen, für die Hospital at Home eine Antwort sein kann: demografischer Wandel, Fachkräftemangel, steigende Kosten und die notwendige Ambulantisierung der Versorgung.

Hospital at Home + Level-1i: Die unterschätzte Chance der Krankenhausreform

Das DRG|FORUM stand in diesem Jahr stark im Zeichen der Krankenhausreform (KHVVG). Die Diskussion dreht sich meist um weniger Betten, neue Leistungsgruppen und Level-1i-Einrichtungen. Aber vielleicht liegt die eigentliche Innovation woanders – nicht ausschließlich im Krankenhaus, sondern in Kombination auch zu Hause beim Patienten.

Level-1i-Kliniken sollen künftig regionale medizinische Basisversorgung sicherstellen, ambulante, stationäre und pflegerische Versorgung verknüpfen und sektorenübergreifend arbeiten. Sie sind damit ein wichtiger Schritt, um die starre Trennung zwischen ambulant und stationär zu überwinden.

Doch eine entscheidende Versorgungslücke bleibt: Viele Patientinnen und Patienten sind zu krank für reine Ambulanz, aber nicht mehr zwingend vollstationär behandlungsbedürftig. Gerade ältere und multimorbide Menschen fallen genau in diese Grauzone.

Hier kommt Hospital at Home ins Spiel.

Wenn man Level-1i und Hospital at Home kombiniert, entsteht etwas grundlegend Neues: eine regionale Versorgungsplattform, die Behandlung flexibel dort organisiert, wo sie medizinisch sinnvoll ist.

  1. Im Zentrum
  2. Zu Hause
  3. Vernetzt mit Hausärzten, Pflege, Rettungsdienst und Schwerpunktkliniken

 

Das Ergebnis wäre ein echter intersektoraler Versorgungsraum – mit messbarem Mehrwert:

  • weniger unnötige stationäre Aufenthalte
  • bessere Versorgung für ältere und fragile Patientinnen und Patienten
  • effizientere Nutzung knapper Fachkräfte
  • mehr Versorgungssicherheit in ländlichen Regionen
  • höhere Patientenzufriedenheit

 

Level-1i kann zum Versorgungsknoten einer Region werden. Hospital at Home erweitert diesen Knoten bis in das Zuhause der Menschen. Erst zusammen entsteht echte Intersektoralität.

Was fehlt, um diesen Schritt zu gehen?

Vor allem politische und strukturelle Klarheit:

  • ein Leistungsanspruch für somatisches Hospital at Home im SGB V
  • eine passende Vergütungssystematik
  • der Aufbau regionaler Versorgungsnetzwerke
  • digitale Infrastruktur für Monitoring und Koordination
  • strukturierte Modellprogramme als Einstieg

 

Die internationale Entwicklung zeigt ziemlich klar: Hospital at Home ist kein Zukunftskonzept mehr. Es ist längst Realität. Die Frage ist daher nicht mehr ob, sondern wann Deutschland ernsthaft damit beginnt.

Die entscheidende Frage

Denken wir die Krankenhausreform vom Krankenhaus aus – oder vom Patienten aus?
Viele Länder gehen den Weg von Level-1i und Hospital at Home bereits erfolgreich. Deutschland hat mit der KHVVG die historische Chance, nicht nur Krankenhäuser neu zu ordnen, sondern Versorgung neu zu denken: nicht in Sektoren, sondern in Versorgungsregionen.

Wir bei Hospital at Home Deutschland e.V. setzen uns seit unserer Gründung im Februar 2024 dafür ein, die Rahmenbedingungen für dieses ergänzende, stationsäquivalente Versorgungsmodell in der deutschen Regelversorgung zu etablieren. Das DRG|FORUM war für uns ein wichtiger Moment, dieses Anliegen in die Gespräche der Klinikszene zu tragen.

Haben Sie Fragen zum Thema Hospital at Home oder möchten Sie sich einbringen? Wir freuen uns über Austausch, Perspektiven und auch kritische Fragen.

Schreiben Sie uns: info@hah-deutschland.de

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